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Konzept der Freien Wing Tsun Schulen

Die Freie Wing Tsun Schule ist verbandsoffen, das heißt es gibt keine Zwangsmitgliedschaften in einer Dachorganisation .Solltet Ihr in einem anderen Wing Tsun-Dachverband Mitglied sein, haben wir kein Problem damit und Ihr könnt trotzdem an unserem Training teilnehmen.

Geleitet wird das Centrum von Sifu Hartmut Gebelein, welcher schon viele hervorragende Lehrer(innen) ausgebildet hat. Die meisten Trainer(innen) ,die im Moment in Bremen unterrichten, gehen auf ihn zurück (s.u.).

Das Wort frei hat in diesem Zusammenhang gleich mehrere Bedeutungen.

Zum Einen gibt es in unserer Schule keine Zwangsmitgliedschaft in einem anonymen Dachverband. Jeder Schüler bzw. Schülerin schließt nur einen Vertrag mit der Schule in der trainiert wird. Hingegen dürfen Schüler anderer Verbände sogar bei uns Mitglied werden, ohne aus ihrem bisherigen Verband austreten zu müssen. Diese Konstellation kann zum Beispiel dann Sinn machen, wenn man mit der örtlichen Schule seines Verbandes unzufrieden ist und nach einer besseren Unterrichtsqualität sucht um sich vom technischen Niveau her zu verbessern, trotzdem aber bei seiner Dachorganisation weiterhin Prüfungen ablegen möchte. Bei uns gibt es nicht diese strikten Reglementierungen, die ganz genau vorschreiben bei wem Unterricht genommen werden darf und wo beim Überschreiten dieser Vorschriften Sanktionen erfolgen.

Frei bedeutet auch in dem Sinne, dass jeder Schüler bzw. jede Schülerin entsprechend ihres Talentes und Ehrgeizes vorankommt und dass keine horrenden Gebühren für das Erlernen bestimmter Techniken erhoben werden, die für die meisten ein zu hohes Hindernis sind. Bei uns werden keine Prüfungen für viel Geld ge- bzw. verkauft. Ein Grundsatz von uns ist, dass WT für möglichst alle bezahlbar sein muss.

Wing Tsun - das System

Wing Tsun verzichtet auf alle Showtechniken und orientiert sich ungemein eng an der praktischen Kampfsituation. Überflüssige und verschnörkelte Bewegungen fallen dabei völlig weg, genauso wie hohe Trittte, komplizierte und zeitraubende Techniken. Auf Grund dieser Gradlinigkeit ist Wing Tsun ein sehr schnelles und wirksames Kampfsystem.Hervorstechendes Merkmal gegenüber anderen Systemen ist die gleichzeitigkeit von Abwehr und Angriff. Dabei wird die Kraft des Angreifers für die eigene Verteidigung mitbenutzt und gegen den Agressor gewendet. Wegen dieses Nachgebens wird Wing Tsun auch als weicher innerer Stil bezeichnet, denn es wird nicht mit Kraft gegen Kraft gearbeitet. Das dazu nötige Gefühl für die Nutzung der eigenen und der gegnerischen Energie wird durch die paarweise ausgeführte Übungsmethode Chi-Sao (sogenannte "klebende Hände" bzw. "klebende Arme") entwickelt. Hier wird neben der Verbesserung der Sensitivität und der Reflexe auch die Anwendung von Handtechniken und das richtige Positionierung der Arme trainiert. Diese Übungen werden fast ausschließlich mit PartnerInnen durchgeführt und trainieren gleichzeitig den Muskelappparat, das Nervensystem und die körperliche Fitness.

Die Tradition des Wing Tsun

Beim WT kann man drei geistige Hauptströmungen feststellen - den Taoismus, Buddhismus und Konfuzianismus, welche alle ca.im 6.Jahrhundert vor Chr.entstanden sind. Der Taoismus hat für das Wing Tsun sicherlich den wichtigste Einfluss. Er geht zurück auf Lao-Tse von dem das Buch Tao-Te-King stammt. Hierin wird versucht ein Weltgesetz in allen Abläufen der Natur zu entdecken, welchem der Mensch sich anpassen muss. Er sollte versuchen immer die Harmonie zwischen Ying und Yang, dem Taoistischen Gegensatzpaar, zu erreichen. Das Wort Tao bedeutet so etwas wie Weg, Ursprung, Ratio oder Logos. Das Wu-Wei, was so viel heißt wie ohne Absicht handeln, ist ein Prinzip des Taoismus, welches man in den Wing Tsun Techniken entdeckt. Ich versuche nicht mit Kraft gegen Kraft anzugehen, sondern passe mich der überlegenen Kraft an. Ich gebe nach, wenn es die Situation erfordert und stoße vor, wenn der Weg frei ist. Immer bereit den eingeschlagenen Weg wieder zu korrigieren, keine Angriffsfläche zu bieten und mich nicht an Widerständen aufzureiben. Ich nehme mir keine bestimmten Techniken vor und habe auch keinen festgelegten Plan, den ich versuche zu verfolgen. Meistens kommt sowieso alles ganz anders als man denkt, was ganz besonders beim Zweikampf zutrifft. Habe ich mich zu früh festgelegt und bin nicht mehr in der Lage mich umzuentscheiden, kann ich ganz leicht in eine Falle tappen. Von dem Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg stammt der Satz: "Wer zuviel plant den bestraft der Zufall". Ein Ausspruch der das Prinzip des Wu-Wei treffend auf den Punkt bringt.

Der Buddhismus geht auf die Lehren Gautama Buddhas, eines indischen Prinzen, zurück. Er kam zu der Ansicht,dass Glück vergänglich ist und Leben Leiden bedeutet. Leiden ensteht, weil Menschen immer mehr haben wollen als sie besitzen und nicht genügsam sind. Leiden hört dann auf, wenn die Gier überwunden ist. Um dieses Glück zu erreichen, soll der Mensch dem achtfachen Pfad, einem Tugendkatalog, folgen. Dieser soll helfen die Gier nach unnützen Dingen zu überwinden. Gelingt das nicht wird die Person in einem neuen Körper wiedergeboren. Solange eine Seele noch unerfüllte Wünsche hat, kann sie nicht zur Ruhe kommen. Ziel für jeden Buddisten ist es den Kreislauf der Wiedergeburten und damit auch den Kreislauf des Leidens zu verlassen und ins Nirwana (windstille) einzugehen.Hier findet er dann das vollkommene Glück.

Der Einfluss des Buddhismus findet sich in der intensiven Konzentration auf das Ausüben der Techniken wieder. Nicht gelangweilt zu sein, wenn man stundenlang die gleiche Bewegung trainiert. Sich nicht ablenken zu lassen, sondern eins mit der Bewegung zu werden. Öfter werden in der Wing Tsun - Form Techniken dreimal wiederholt, was eine dreifache Verbeugung vor Budda bedeutet.

Der dritte große Einfluss auf das Wing Tsun kommt aus dem Konfuzianismus. Konfuzius war ein Sittenlehrer, der eine feste hierarchische staatliche Ordnung bis hinein in die Familie propagierte, in der dann der Vater die Macht ausübte. In seiner Abwesenheit war der älteste Sohn dann sein Stellvertreter. Frauen spielten keine Rolle. Konfuzius trat für eine Trennung zwischen einfachem Volk und Höhergestellten ein und lehrte, dass die Gesellschaft sich immer im Einklang mit den Ahnen bewegen muss. Somit war der Konfuzianismus eine feudalistische Lehre und passte mit seinen Ritualen hervorragend in den späteren autoritären chinesischen Beamtenstaat, deren Ideologie er wurde. Im Wing Tsun finden wir Wörter wie Si-Fu (väterlicher Lehrer), Si-Jo (großväterlicher Lehrer), Si-Hing (älterer Bruder) usw. Weibliche höherrangige Titel fehlen völlig. Alle Namen drücken die Beziehung der Schüler zueinander in der Familienhierarchie des Wing Tsun aus. Der höhergestellten Generation wird eine besondere Ehrerbietung entgegenbebracht, was sich darin auch ausdrückt, dass Bilder von den Meistern an den Wänden hängen, vor denen die Schüler sich verbeugen sollen.

Tradition in Bremen

Die Traditionen müssen sich unserer Meinung immer wieder den neuen gesellschaftlichen Erfordernissen anpassen. Wir stellen uns immer wieder die Frage, welchen Sinn bestimmte Rituale haben. Deswegen macht es auch Sinn sich schlechter Traditionen zu entledigen, wenn sie der gesellschaftlichen Weiterenwicklung entgegenstehen. Genauso stellen wir uns auch zu den Techniken des WT. Wenn bestimmte Angriffe heutzutage nicht mehr so üblich sind, müssen wir die Abwehren gegen das trainieren, was auf der Straße häüfiger vorkommt. Das sehen wir ganz pragmatisch, denn ein Selbstverteidigungssystem ist nur so gut wie seine Möglichkeit auf neue Herausforderungen zu reagierenn. Das steht vollkommen im Einklang mit dem Prinzip des Taoismus, welches zeitlos ist und sich flexibel auf Alles anwenden lässt.

Anders sieht es schon mit dem Buddhismus und Konfuzianismus aus. Mit dieser Ruhe und Selbstvergessenheit, wie im Buddismus, können wir nicht beim WT-Training agieren. Wir haben keine 15 Jahre um uns, wie im Kloster, auf die Widrigkeiten der "feindlichen" Außenwelt einzustellen, denn jeden Tag kann man oder frau in eine bedrohliche Situation kommen, in der Selbstverteidigungsfertigkeiten nützlich wären.Es ist gut, wenn die SchülerInnen konzentriert trainieren, aber sie sollten nach einem halben bis einem Jahr schon die ersten positiven Resultate sehen können.

Deutlicher wird unsere Ablehnung dem Konfuzianismus gegenüber. Wir leben nicht in einem chinesischen Beamtenstaat, sondern in einer mitteleuropäischer Demokratie. Von uns wird eine Dienstleistung angeboten und das Verhalten gegenüber unseren "Kunden" ist freundlich und nicht überheblich. Wir orientieren uns an dem Umgang in den Sportstudios, wo meistens eine angenehme Atmosphäre herrscht. Bei uns wird sich auch nicht vor Bildern früherer oder aktueller Meister verbeugt, wie es in den meisten WT-Schulen üblich ist. Ein Wing Tsun Lehrer ist auch nur ein Trainer und deshalb auch nicht höhergestellt als die Schüler oder SchülerinnenInnen. Die Leute, die zu uns kommen, sollen Spaß am WT haben und Interesse realistische Selbstverteidigungstechniken zu erlernen. Deshalb müssen sie auch keine kostbaren Energie aufwenden unsinnige Rituale zu erlernen. Auch wenn wir ein fernöstliches System erlernen, müssen wir nicht unsere eigene mitteleuropäische Identität beim Eingang in die Sportstätte aufgeben !

Letzte Aktualisierung 9. Januar 2012