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Die Legende der Entstehung des Wing Tsun
1644 eroberten die Mandschus, ein wie die Mongolen kriegerischer
Nomadenstamm, die Kaiserstadt Beijing (Peking). Sie lösten die Ming-Dynastie
ab,welche in der Folge der permanenten kriegerischen Abwehr japanischer
Invasionsversuche die Steuern für ihr Volk(Bauern) so drastisch erhöhten, dass
es zu Bauernaufständen gegen die Regierung kam. Als im Norden die Mandschus
versuchten auf chinesisches Teritorium zu drängen, ließ sie ein Ming-General
durch die chinesische Mauer passieren. Nicht weil er ein Kollaborateur war,
sondern in der Hoffnung, dass die ausländischen Truppen und die Aufständischen
sich gegenseitig entscheidend dezimieren würden. Allerdings hatten die Mandschus
die Bauern unter äußerst geringen Verlusten niedergeschlagen, so dass sie die
Hauptstadt leicht einnehmen konnten.
Es sollte noch 40 weitere Jahre dauern bis ganz China 1684 unter der
vollständigen Kontrolle der neuen Machthaber war, deren Herrschaftszeit bis 1911
ging und Qing-Dynastie genannt wird.
In diesen kriegerischen 40 jahren lebten in einem Kloster 5 Grossmeister des
Shaolin Kung Fu, welche durch die Auswahl ihrer effektivsten Techniken ein
entsprechendes Übungsprogramm entwickelten, um in kürzester Zeit versierte
Kampkünstler auszubilden. Durch Verrat wurde aber dieses Kloster von den
Mandschus niedergebrannt und nur die Nonne Ng Mui überlebte.Sie floh in die
Berge und verfeinerte dort weiter den Stil, der ihren Feinden überlegen sein
sollte und mit dem auch körperlich schwächere Frauen gegen trainierte Männer
eine realistische Chance haben sollten. Sie gab das von ihr entwickelte System
dann an Yim Wing Tsun weiter, welche bei ihr Hilfe gegen einen dorfbekannten Schläger
suchte, unter dessen Belästigungen sie schon lange litt. Durch das erhaltene
Training war sie in der Lage dem Unhold eine Lehre zu erteilen, so dass er sie
fortan in Ruhe ließ. Dieser Yim Wing Tsun verdankt das Kampfsystem seinen
Namen, was soviel wie Schöner Frühling heißt. Seitdem wurde es als Familienstil
im Geheimen von Generation zu Generation weitergegeben.
Das erste mal öffentlich unterrichtet wurde Wing Tsun von Grossmeister Yip
Man, welcher in Folge der chinesischen Revolution 1949 nach Hongkong flüchten
mußte, da er als höherer Polizeibeamter in den Diensten der alten Regierung
stand.Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, unterrichtete er in den 50er Jahren
die Mitglieder der Restaurantarbeitergewerkschaft. Bis zu seinem Tode 1972 hatte
er ca. 1000 Schüler, wovon die bekanntesten sicherlich Bruce Lee und Leung Ting
waren. Leung Ting war es dann auch, der Wing Tsun nach Europa brachte und
zusammen mit seinem Privatschüler Keith R. Kernspecht sich um die internationale
Verbreitung verdient machte. Heute lernen alleine in Deutschland ca. 100000
SchülerInnen WT, wobei die Entwicklung des Wing Tsun immer mehr demokratisiert.Es
gibt immer mehr freie Wing Tsun Schulen in Deutschland abseits der autoritären
patriarchalischen Verbände. Das Wissen ist jetzt frei erhältlich und nicht mehr monopolisiert.
Das führt auch dazu, dass die Preise für die ambitionierten SchülerInnen deutlich sinken.
Bruce Lee und das Wing Tsun
Der bekannteste Wing Tsunler ist aber sicherlich der Filmschauspieler Bruce
Lee. Er begann in seiner Heimat Hong Kong im Alter von 15 Jahren bei
Grossmeister Yip Man Wing Tsun zu lernen. WT war damals schon sehr beliebt wegen
seiner Effektivität und wurde auch von jugendlichen Straßenbanden wegen seiner
Nützlichkeit im Nahkampf sehr geschätzt. Später ging Bruce Lee in die USA
und löste mit seinen Vorführungen eine große Begeisterung aus, so dass sogar so
berühmte Karatechampions wie Bob Wall und Chuck Norris seine Schüler wurden.
Somit unterrichtete er als erster Nicht-Chinesen im Wing Tsun.Damit verstieß er
aber gegen traditionelle Vorschriften, dass Wing Tsun nur den kleineren,
schmächtigeren Chinesen vorbehalten sein sollte, die sich ja gar nicht gegen die
körperlich stärkeren Amerikaner und Europäer durchsetzen könnten, wenn diese
auch Wing Tsun beherrschten. Als Gwailos (ausländische Teufel) wurden die Weißen
in China zum Teil bezeichnet. Dieser Ausländerhass ist vielleicht nur durch den
jahrhundertelangen Kolonialismus zu erklären, in dessen Verlauf jede der
damaligen Kolonialmächte - inklusive des deutschen Kaiserreiches - Land und Leuten
ausgebeutet hatte.
Allerdings war Bruce Lees Unterrichtstätigkeit in Amerika und seine Eitelkeit
als Schauspieler, für Yip Man der Grund ihm keinenen weiteren Unterricht zu
gewähren. Selbst ein finanzielles Angebot in der Höhe einer Eigentumswohnung für
die nächsten zu lernenden Lektionen änderten Yip Mans Meinung nicht. Im
Gegenteil- es beleidigte ihn.

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